Oberhof
Zwischen Wasser, Wald und Technik
Mit dem Rad unterwegs an der Ohratalsperre
Es gibt Radtouren, bei denen das Ziel fast schon Nebensache ist. Und dann gibt es Touren wie die zur Ohratalsperre bei Luisenthal, bei denen der Weg und das Ziel gleichermaßen begeistern. Zwischen dichten Wäldern, technischer Meisterleistung und herrlichen Ausblicken zeigt sich der Thüringer Wald von einer seiner schönsten Seiten.
Der Anstieg ist angenehm und führt durch schattigen Wald. Sonnenstrahlen tanzen durch die Baumwipfel, der Duft von Fichten und feuchtem Waldboden liegt in der Luft. Hinter der nächsten Kurve lichtet sich das Grün und plötzlich steht sie vor einem: die gewaltige Staumauer der Ohratalsperre.
58 Meter hoch ragt sie empor und hält rund 18 Millionen Kubikmeter Wasser zurück. Eine Zahl, die kaum vorstellbar ist. Ein kleiner Vergleich hilft: Damit ließen sich etwa 120 Millionen Badewannen füllen. Ganz nebenbei sorgt die Talsperre dafür, dass viele Menschen in Mittelthüringen täglich frisches Trinkwasser aus dem Hahn bekommen.
Der Weg über die Staumauer gehört zweifellos zu den Höhepunkten der Tour. Links glitzert das Wasser, rechts öffnet sich der Blick ins Tal. Wer hier nicht kurz anhält, um die Aussicht zu genießen, verpasst einen der schönsten Momente der Strecke.



Pausen einlegen und die Ruhe zu genießen
Überhaupt lohnt es sich, öfter einmal vom Sattel zu steigen. Entlang des Uferweges auf der Nordseite laden Bänke immer wieder zu kleinen Pausen ein. Hier scheint die Zeit etwas langsamer zu vergehen. Statt Straßenlärm hört man den Wind in den Bäumen und das Rauschen des Waldes.
Und auch die Tierwelt weiß die Ruhe zu schätzen. Mit etwas Glück kreist ein Greifvogel über der Talsperre, Eichhörnchen huschen durch die Bäume und Rehe wagen sich an den Waldrand.
Wer jetzt auf die Idee kommt, ins kühle Nass zu springen, wird allerdings enttäuscht. Baden ist in der Ohratalsperre verboten. Der Grund ist leicht nachvollziehbar: Das Wasser ist viel zu wertvoll, denn es dient der Trinkwasserversorgung. Genau deshalb ist die Natur rund um die Talsperre außergewöhnlich gut erhalten.
Ein weiterer spannender Fakt:
Die Staumauer muss einem enormen Wasserdruck standhalten. Tausende Tonnen Wasser drücken Tag für Tag gegen das Bauwerk und doch wirkt es beinahe selbstverständlich, wie ruhig der See dahinter liegt.
Die Ohratalsperre ist deshalb weit mehr als ein technisches Bauwerk. Sie ist ein Ort, an dem Natur und Ingenieurskunst eine ungewöhnlich harmonische Verbindung eingehen.
Nach einigen Kilometern auf dem Rad wird klar, warum diese Tour bei Einheimischen so beliebt ist. Sie fordert nicht übermäßig, bietet aber immer wieder neue Ausblicke und kleine Überraschungen. Mal lockt ein schattiger Waldweg, mal ein weiter Blick über das Wasser und manchmal einfach nur eine Bank, auf der man die Beine baumeln lässt und den Moment genießt.
Am Ende der Tour bleibt nicht nur die Erinnerung an eine beeindruckende Staumauer oder eine schöne Radstrecke. Es ist das Gefühl, einen Ort entdeckt zu haben, an dem Natur, Geschichte und Technik ganz selbstverständlich zusammengehören.
Und vielleicht ist das das eigentliche Geheimnis der Ohratalsperre: Sie zeigt, dass die schönsten Ausflugsziele nicht immer die lautesten sein müssen. Manchmal reicht ein Fahrrad, ein Stück Thüringer Wald und ein See, der seit Jahrzehnten still seine wichtige Arbeit verrichtet.

Ohratalsperre bei Luisenthal
Lage: Nähe Luisenthal-Schwarzwald
Typ: Trinkwassertalsperre & Naturerlebnis
Highlights:
58 m hohe Staumauer
Rund 18 Mio. m³ Wasserspeicher
Gut ausgebaute Wege entlang des Ufers
Besonderheit: Wichtiger Bestandteil der Trinkwasserversorgung in Mittelthüringen. Daher besonders geschützte Umgebung.
Tipp: Die Überfahrt über die Staumauer bietet einen der besten Ausblicke der gesamten Route.