Hof
Millionenprojekt in Mödlareuth
Moderner Look fürs Deutsch-Deutsche Museum
41 Jahre lang verlief die innerdeutsche Grenze mitten durch das 55 Einwohner zählende Dorf Mödlareuth, immer am Tannbach entlang. Das Deutsch-Deutsche Museum in „Little Berlin“ Mödlareuth, das teils in Bayern, teils in Thüringen liegt, ist in seiner Art einzigartig.
Es verbindet Dorf und Museum und macht durch den Erhalt der 90 Meter langen original erhaltenen Mauer, von Sperranlagen, einem Beobachtungsturm und Streckmetall-Zaunelementen auf authentische Weise das Leben an der ehemaligen innerdeutschen Grenze spürbar. Das Museumsprojekt startete kurz nach der Wende 1990 auf ehrenamtlicher und privater Basis. Ende 2005 wurde der länderübergreifende Zweckverband „Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth“ gegründet, dem der Landkreis Hof, der Saale-Orla- und der Vogtlandkreis sowie die Gemeinde Töpen und die Stadt Gefell angehören. Aktuell zählt das Museum, das ursprünglich für 20.000 bis 30.000 Besucher pro Jahr ausgelegt war, jährlich zwischen 70.000 und 90.000 Besucher aus der ganzen Welt. Deshalb erfolgte ein Relaunch für das gesamte Areal, um einen modernen, einladenden Look zu erhalten. Insgesamt wurden 22 Millionen Euro in das Bauprojekt investiert, das im Oktober 2025 im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier feierlich eingeweiht wurde.
Die behutsame Neugestaltung des Freigeländes mit ehemaliger Mauer, Grenzturm, Hundelaufanlage und Co. konnte 2023 bereits abgeschlossen werden. Spektakulär mutet der Museumsneubau an, der sich durch die naturnahe Gestaltung mühelos in die Landschaft einfügt. Er hat eine Nutzfläche von insgesamt 1.350 Quadratmetern und eine neue Dauerausstellungsfläche von 500 Quadratmetern. Das Konzept für die Dauerausstellung wurde von einem dreiköpfigen Expertengremium erarbeitet. Unter anderem gibt es drei Themenkomplexe, die von der Chronologie losgelöst sind, wie „Grenzregime“ oder „Das Leben an der Grenze“. Auch Zeitzeugen-Interviews und Fluchtgeschichten aus der Region, Originaldokumente, Bilder und Videos sind ein Teil der Ausstellung und machen auf authentische Art und Weise Geschichte greifbar.
Zusätzlich zur Dauerausstellung finden sich im Neubau weitere Räume, die dem Museum neue Möglichkeiten für Besucherbetreuung, Wechselausstellungen und die Präsentation seines umfangreichen Archivmaterials eröffnen. Das Gebäude wurde von ATELIER 30 Architekten aus Kassel bewusst so geplant, dass es sich dezent in die Hügellandschaft Mödlareuths einschmiegt und die authentische Anmutung des Ortes bewahrt bleibt. Ferner wurde bei der Planung auf vollständige Barrierefreiheit sowie größtmögliche Nachhaltigkeit geachtet. So wurde das Gebäude etwa in Holzbauweise errichtet, das Dach begrünt und mit einer Photovoltaik-Anlage ausgestattet.
Insgesamt sind rund 22 Millionen Euro in das Bauprojekt geflossen. Dabei unterstützte der Freistaat Bayern ebenso wie der Bund das Museum mit jeweils 5,6 Millionen Euro, weitere 800.000 Euro kamen vom Freistaat Thüringen, vier Millionen Euro von der Oberfrankenstiftung und 500.000 Euro von der Bayerischen Landesstiftung.
Das Präsidium des Bayerischen Landtags hat Mödlareuth 2026 eben erst als einen von sieben neuen „Orten der Demokratie in Bayern“ ausgezeichnet. Damit würdigt der Freistaat die besondere Bedeutung des geteilten Dorfes und des Deutsch-Deutschen Museums als lebendigen Ort der Erinnerungskultur. Die neuen Orte der Demokratie in Bayern werden durch eine goldene Gedenk-Stele sichtbar gemacht.







KONTAKT
Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth
Mödlareuth 14
95183 Töpen
Tel. 09295-915010
E-Mail info@museum-moedlareuth.de
URL: www.moedlareuth.de
Das sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Einweihung des Neubaus am 2. Oktober 2025 in seiner Festansprache über das Deutsch-Deutsche Museum:
„Dieses Museum ist weit mehr als ein Archiv der Vergangenheit. Mit modernster Technologie, mit Virtual-Reality-Brillen und interaktiven Stationen wird hier Geschichte erlebbar gemacht. Besucher können die bedrückenden Grenzanlagen abschreiten, Zeitzeugen begegnen, die Enge der Teilung und die Freude der Wiedervereinigung nachempfinden. Und dieser Ort lehrt uns: Mauern können Menschen voneinander trennen, aber sie können den Wunsch nach Freiheit nicht brechen.“

Landrat Bär: Der Hofer Landrat Dr. Oliver Bär (Mitte) bei einem Besuch der bayerischen Landtagspräsidentin Ilse Aigner in Mödlareuth.
Zitat des Hofer Landrats Dr. Oliver Bär:
„Das neu gestaltete Museum mit seinem Außengelände soll die Führung für die Besucher noch klarer und erkennbarer machen. Diejenigen, die in Mödlareuth oder Umgebung aufgewachsen sind, wissen, was genau wo war. Aber diejenigen, die von außen kommen, sollen ein klares Bild davon erhalten, wie es zu Zeiten der innerdeutschen Teilung ausgesehen hat. Es ist wichtig, aus dieser Geschichte zu lernen, um deutlich zu machen, dass es so etwas nie wieder geben darf.“


Mit dem Bus ins Museum
Seit 2025 gibt es nun auch eine Anbindung an das öffentliche Busnetz. Die neue Haltestelle „Deutsch-Deutsches Museum“ wird in beiden Richtungen in die bestehende VGN-Buslinie 1566 „Hof/Saale – Töpen – Gefell – Schleiz“ integriert und an Werktagen von Montag bis Freitag angefahren. In der Richtung Hof-Schleiz bestehen werktäglich vier Verbindungen, in der Richtung Schleiz-Hof fünf. Auch der Hofer LandBus fährt nach Anforderung – telefonisch oder via App – Mödlareuth an. Er zusätzlich auch an Feiertagen und Wochenenden im Einsatz.
Fluchtflugzeug DOWA 81
Einen festen Platz in der Dauerausstellung im Museumsneubau hat die DOWA 81. Das selbst konstruierte Leichtflugzeug sollte der fünfköpfigen Familie Wagner 1981 die Flucht in die Bundesrepublik ermöglichen. Das Fluchtvorhaben wurde von der Stasi aufgedeckt, die Familie am geplanten Fluchttag verhaftet. Der Ingenieur Dr. Gerhard Wagner, seine Ehefrau sowie die beiden älteren Söhne kamen ins Gefängnis. 1982 wurde die Familie von der Bundesrepublik freigekauft. Das Fluchtflugzeug befand sich bis zur Friedlichen Revolution 1989 in der Asservatenkammer des Ministeriums für Staatssicherheit in Ost-Berlin. 1991 gelangte es in das Deutsche Museum Außenstelle Flugwerft Schleißheim. Im Oktober 2023 erhielt das Museum Mödlareuth die DOWA 81 als Dauerleihgabe und zeigt diese nun in der neuen 500 Quadratmeter großen Ausstellungshalle an prominenter Stelle.