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Ein Mekka für Dampflok-Fans aus der ganzen Welt
Faszination Dampflok in Meiningen erleben
Die Dampflok Erlebniswelt ist eine touristische Destination, die sich in das bestehende Kulturangebot Meiningens ein fügt, es um einen thematischen Aspekt erweitert und damit Meiningen und die Region als Tourismusziel aufwertet.
Dampflokomotiven faszinieren. Auch über die reine Nostalgie hinaus sprechen die Fahrzeuge alle Sinne an und wecken Emotionen: Durch die mit Kohle und Wasser, Rauch und Dampf unmittelbar wahrnehmbare Krafterzeugung, durch ihre stählerne, schwere, massive Ausführung, die dennoch eine komplexe Technik durch filigrane mechanische Teile sichtbar macht, und durch das Bewusstsein für die Authentizität eines Fahrzeugs mit einer langen Vergangenheit, das seinen heutigen Entsprechungen nur noch entfernt ähnelt.
In der Gegenwart sind die Dampflokomotiven historische Artefakte, Zeugen einer vergangenen, mechanischen Zeit – ein Gegenentwurf zu einer sich fortschreitend digitalisierenden Welt. Geschichtlich betrachtet haben Dampflokomotiven eine ganze Epoche mitgestaltet, indem sie Mobilität massentauglich, verfügbar und die industrielle Entwicklung des 19. und 20. Jahrhunderts maßgeblich geprägt haben. Verkehr ist Kommunikation. Ebenso, wie die Dampflokomotive gesellschaftliche Prozesse angestoßen und begleitet hat, ist um die Technik herum eine Kultur entstanden, in der sich Menschen mit den stählernen Fahrzeugen auseinandergesetzt haben und auseinandersetzen.

Das Kernstück der Ausstellung ist die begehbare Lokomotive.
Eine Stadt zwischen Bühne und Dampf
Meiningen ist mit seinem ruhmreichen Staatstheater und einer beeindruckenden Residenzgeschichte schon lange Kulturhotspot in Südthüringen. Die Kreisstadt überrascht mit Pracht bauten wie Schloss Elisabethenburg, üppigen Stadtvillen und herrschaftlichen Palais im eher ländlich geprägten Werratal zwischen Rhön und Thüringer Wald. Von hier aus wurde Vieles in die Welt hinausgetragen, was noch heute Kulturleben weltweit prägt: Theatergeschichte, Musikgeschichte und weihnachtliche Tradition. Mit einem Herzog, der das Regietheater begründete, berühmten Komponisten wie Brahms und Reger, die hier bei mehreren Aufenthalten die Muse küsste und einer Prinzessin, die den Weihnachtsbaum ins britische Königshaus brachte, ist das keinesfalls zu hochgestapelt.
Überdies findet man in Meiningen noch heute eine weltweit einmalige Expertise in Bezug auf ein ebenfalls erhaltenswertes Kulturgut: die Dampflok. Dampflokomotiven sind komplexe Konstruktionen, die über mehr als 150 Jahre stetig verbessert und ständig an die sich verändernden Rahmenbedingungen angepasst wurden. Die historischen Fahrzeuge zu warten, zu reparieren oder sie sogar neu aufzubauen, ist eine Arbeit für Spezialisten.
Dies wird nirgendwo deutlicher als im südthüringischen Meiningen: Das Dampflokwerk Meiningen verfügt heute über nahezu exklusives Wissen, hochspezialisierte Anlagen und jahrzehntelange Erfahrung, die es in ihrem Zusammenspiel erst ermöglichen, Dampflokomotiven instand zu setzen und fahrbereit zu erhalten. Es leistet damit einen Beitrag zum Erhalt des technischen und kulturellen Erbes. Durch die Traditionslinie einer über einhundertjährigen Geschichte ist das Dampflokwerk Meiningen selbst Teil der Eisenbahnkultur und Bezugspunkt für Enthusiasten aus der ganzen Welt. Die gemeinsame Geschichte der Stadt Meiningen und der Eisenbahn begann 1858 mit dem Anschluss Meiningens an die Strecke Eisenach-Lichtenfels. Ab dem ersten Tag gab es in Meiningen Werkstätten für die Eisenbahn, deren Kapazitäten bald ausgeschöpft waren und schließlich 1914 auf dem Areal am Flutgraben der Vorläufer des heutigen Dampflokwerks eröffnete.
Eine Anbindung an die Eisenbahn bedeutete eine wesentliche stärkere Mobilität der Bevölkerung sowie einen Anstieg des Warenverkehrs. In Meiningen ging nicht nur Fracht-, sondern auch Kulturgut auf Reisen. Das Meininger Hoftheater und die Meininger Hofkapelle konnten dank der Eisenbahn in ganz Europa spielen. Unter Regisseur und Intendant Ludwig Chronegk bereiste das Hoftheater ab 1874 insgesamt 81 europäische Städte und führte in 2.877 Aufführungen 41 verschiedene Stücke auf.
Heute ist das Dampflokwerk Meiningen ein Standort der DB-Fahrzeuginstandhaltung GmbH und letztes vollständiges Instandhaltungswerk für Dampflokomotiven in Westeuropa. Hier ist man spezialisiert auf die Instandhaltung von Spezialfahrzeugen wie Notfallkräne oder Schneeräumtechnik. Bekannt ist es aber für sein Know-How und seine technische Ausstattung zur Aufarbeitung und Instandhaltung von Dampflokomotiven aller Art. In Einzelfällen entstanden in jüngerer Zeit sogar Neubaulokomotiven im Werk. 2024 feiert das Dampflokwerk Meiningen sein 110-jähriges Bestehen. Jährlich pilgern mehr als 10.000 Besucherinnen und Besucher am ersten September-Wochenende zu den Meininger Dampfloktagen ins hiesige Dampflokwerk.
Jetzt das ganze Jahr: Dampflok erleben in Meiningen
Die Stadt Meiningen möchte diese vielfältigen technischen, kulturellen und lokalgeschichtlich relevanten Aspekte in der Dampflok Erlebniswelt präsentieren und sie Besuchern der Stadt und Einheimischen zugänglich machen. Nach langjähriger Planung und fast vierjähriger Bauzeit stellt sich die Stadt ab August 2024 in den Dienst ihrer zentralen Bedeutung für Dampflokgeschichte in Europa. Im ehemaligen Kantinengebäude, als Teil des Ensembles des Dampflokwerks, präsentiert die Stadt Meiningen die „Dampflok Erlebniswelt“. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde 1914 errichtet und 1947 neugestaltet sowie räumlich erweitert. Alleinstellungsmerkmal der Dampflok Erlebniswelt ist zweifelsfrei die räumliche und inhaltliche Nähe zum Dampflokwerk. Auf 600 m² Ausstellungsfläche ermöglicht die multiperspektivische Ausrichtung der Ausstellung an einem authentischen Ort facettenreiche Einblicke in die Faszination Dampflok.




Die begehbare Lok – Einzigartiges Exponat in Meiningen
Kernstück der Ausstellung ist eine – ebenfalls im Jahr 1914 erbaute – Preußische T 13 (Bauart Union), die 92 739, welche als Schnittmodell begehbar ist. Nach über 20 Jahren im Freien war die 92 739 in keinem guten Zustand. Man hatte vorerst von der Aufarbeitung der Lok abgesehen. Das änderte sich, als man ihren neuen Verwendungszweck als Hauptexponat in der Dampflok Erlebniswelt gefunden hatte. Von der Bauart gibt es nur drei weitere erhaltene Fahrzeuge, weshalb die Lok als erhaltenswert angesehen wurde. Obwohl im aufgetrennten Zustand, bleibt sie dennoch für die Nachwelt erhalten und ist Lehrwerkzeug für die Vermittlung von Dampfloktechnik an alle Interessierten.
Das Großexponat steht in seiner Gesamtheit für Technik und Kultur der Dampflokomotive und enthält gleichzeitig alle Teile, anhand derer ihre Konstruktion und ihre technische Funktionsweise vermittelt werden können. So wird zum Beispiel im Kessel sichtbar, wie mit der Energie des scheinbar körperlosen Dampfes ein tonnenschweres, stählernes Fahrzeug bewegt werden kann, welche besonderen Anforderungen an Dichtigkeit und Präzision dafür erforderlich sind und die physikalischen Eigenschaften von Dampf und der Größe Druck können nachvollzogen werden.
Mit diesem sensorischen Zugang, der neben der audio-visuellen und der olfaktorischen vor allem die taktile und haptische Wahrnehmung ansprechen soll, können technische und physikalische Zusammenhänge – im Wortsinn – begreifbar gemacht werden. Die explorative Annäherung und sinnliche Erschließung sollen die Distanz zur Technik reduzieren und aufheben, indem der Besucher zum Akteur gemacht und die Vermittlung auf Handlungen ausgerichtet wird.
Was erwartet die Besucher in der Ausstellung?
Obwohl das Grundprinzip der Dampflokomotive einfach ist – Feuer erhitzt Wasser, Wasser wird zu Dampf, Dampf treibt an –, sind Dampflokomotiven durch die Anpassung an sich verändernde Rahmenbedingungen und Ansprüche zu komplexen Maschinen geworden. Am Hauptexponat werden die Einzelteile einer Lok benannt, wird auf die verwendeten Materialien eingegangen und die einzelnen Schritte, die notwendig sind, um eine Dampflok in Bewegung zu setzen, erklärt. Medienstationen machen sichtbar, was sonst nur im geschlossenen System der Dampflok passiert. Besucherinnen und Besucher bewegen sich entlang der Längsschnitte der Lok bis hin zum begehbaren Führerstand und vollziehen aus unmittelbarer Nähe den Weg des Dampfes nach. Ergänzend zur Dauerausstellung bietet die Dampflok Erlebniswelt auf weiteren 300 m² wechselnde Sonderausstellungen zu verschiedenen Themen rund um die Dampflok. So können Besucher immer wieder Neues entdecken.
„Fenster“ zum Werk
Der Besucher kann Einblicke in die Arbeit des Werkes gewinnen, die selbst während der Führungen im Werk, welche an Samstagen angeboten werden, nicht zu sehen ist. Er erfährt mit welchen Materialien die Lokwerker täglich zu tun haben. In Bildern, aber auch durch Zeitzeugenberichte, können die Besucher etwas über die Geschichte des Werks erfahren. Auf einer 12 m langen Wartebank beleuchtet die Ausstellung anhand von Akteuren aus der Vergangenheit und Gegenwart Ausschnitte aus der Geschichte der Eisenbahn in Deutschland. Das museumspädagogische Programm umfasst sowohl Führungen durch die Dauerausstellung als auch Angebote für Kinder und Jugendliche. Ein Besuch des Cafés und des Shops runden den Museumsbesuch ab.
